Design-Workshop zur Förderung von Entwicklung und Test von barrierefreier Software

Geschrieben am 11.11.2020.

Im Projekt iDESkmu (inklusive Dokumentenmanagementsysteme und Enterprise Content Management Systeme in mittelständischen Unternehmen) möchten wir die Verfügbarkeit von barrierefreier Software und insbesondere DMS fördern und für deren Notwendigkeit sensibilisieren.

Ein wichtiger Meilenstein für dieses Ziel ist es, die Kreation und Prüfung von barrierefreier Software auch für Menschen ohne Expertenwissen so einfach wie möglich zu gestalten. Zu diesem Zweck hat die Universität Siegen gemeinsam mit den Projektpartnerinnen und Partnern im Oktober 2020 einen Design-Workshop ausgerichtet und zusammen mit den Zielgruppen des Projekts darüber diskutiert, was nötig ist, um Prüfungen auf Barrierefreiheit so einfach wie möglich zu gestalten.

Am Workshop teilgenommen haben blinde und sehbehinderte Anwenderinnen und Anwender, die uns sehr ausführlich erläutert haben, was die größten Schwierigkeiten im Umgang mit Softwareprodukten sind und viele Erfahrungen auch von Bekannten mit eingebracht haben. Ebenfalls dabei waren Entwicklerinnen und Entwickler sowie Qualitätsmanagerinnen und -manager, die uns aus ihrer Perspektive Arbeitsweisen dargelegt haben und auch, wie sie sich eine einfache Prüftool-Unterstützung bei ihrer Arbeit vorstellen können. Durch einen selbstständigen Teilnehmer wurde ebenfalls noch einmal das unternehmerische Interesse deutlich, so dass in dieser Runde die verschiedenen Anforderungen und Blickwinkel zielgerichtet diskutiert werden konnten, um schlussendlich konsolidierte Anforderungen an ein „Prüftool für die Barrierefreiheit von Software“ zu definieren.

Unterstützt wurde der Design-Workshop, unter der Leitung der Universität Siegen, von zwei Projektpartnern, die ihrerseits Entwickler und Expertin für Barrierefreiheit sind.

Die Anforderungen an ein solches Prüftool sind nicht nur in inhaltlicher, sondern auch in technischer Hinsicht herausfordernd, was aus unserer Perspektive aber auch verdeutlicht, dass die Thematik Barrierefreiheit im Allgemeinen für Nicht-Experten nur schwer durchschaubar ist und es dringend Unterstützung in diesem Bereich bedarf.

Immer wiederkehrende Schwierigkeiten mit der Tastaturbedienung, Fokusverfolgung sowie Farbabgrenzungen gehörten mit zu den alltäglichen Herausforderungen für blinde und sehbehinderte Menschen, nicht nur im Arbeitskontext. Demgegenüber standen möglichst automatisierte oder zumindest teilautomatisierte Testmöglichkeiten auf der Seite der Entwicklerinnen und Entwickler und Unternehmen, um trotz des Wunsches nach barrierefreier Software nicht zu viel Zeit in die Prüfungen zu stecken, um damit wertvolle Featureentwicklung zu verlangsamen.

Zusammenfassend bewertet war die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Akteurinnen und Akteuren ein Erfolg, was sich im regen Austausch mit jeweils gut begründeten Argumenten äußerte und was später in einem gemeinsamen Konsens endete.

Einzig und allein die dafür notwendige Zeit wurde unterschätzt. Bei den unterschiedlichen Parteien gab es zahlreiche Dinge, die den jeweils anderen so gar nicht bewusst waren. Das hat uns in unserer Projektarbeit noch einmal bestärkt in der Planung, auch andere Bausteine wie Informations- und Schulungsmaterial zu erstellen.

Zusätzlich wurden das Treffen und der gegenseitige Austausch von allen als so wertvoll und fruchtbar empfunden, dass sich Ideen für weitere Zusammenarbeiten, nicht nur bei der Prüftool-Entwicklung, ergeben haben.